Hercule Poirot wäre lieber tot geblieben

Die Monogramm-MordeIhre Autoren liegen unter der Erde, aber die einst erfundenen Helden sind einfach nicht totzukriegen: Sherlock Holmes ermittelt noch immer, obwohl Arthur Conan Doyle längst das Zeitliche gesegnet hat. James Bond ist weiter im Dienste Ihrer Majestät unterwegs, Ian Fleming aber hat das Schreiben todesbedingt aufgeben müssen. Und jetzt ist auch noch Hercule Poirot, der wohl berühmteste belgische Privatdetektiv, wiederbelebt worden – eine Exhumierung, die man besser sein gelassen hätte.

Auch Agatha Christie ist tot, aber sie hat – wenn man ihren Erben glauben soll – eine würdige Nachfolgerin in der britischen Thrillerautorin Sophie Hannah gefunden. Der 43-Jährigen, die in England auch wegen ihrer preisgekrönten Lyrik bekannt ist, erlaubte man deshalb, Poirots 34. Fall zu schreiben. Was ist es geworden? Ein possierliches Krimistück, dem man die Ehrfurcht vor dem großen Vorbild anmerkt und das nicht richtig in Gang kommt.

Die Arroganz in Person sitzt in den 1920er Jahren in einem Londoner Kaffeehaus, als eine junge Frau in den kleinen Laden hastet. Augenscheinlich wird sie verfolgt, denn sie blickt sich ständig nach der Tür um. Poirot wird auf das Schauspiel aufmerksam und bietet selbstverständlich seine Hilfe an – wer sonst könnte der Dame helfen, wenn nicht der Meister selbst? Doch Mademoiselle Jennie ist sich gewiss: Sie wird schon bald das Opfer eines Mordes, der sogar gerechtfertigt sei. Poirot aber möge auf keinen Fall nach dem Mörder suchen.

Prädestinierter Sidekick

Der hat bald auch ganz andere Sorgen, denn im Hotel Bloxham sind drei Leichen gefunden worden, zwei Frauen und ein Mann, jeweils in einem anderen Zimmer. Jede Leiche hat einen Manschettenknopf mit dem Monogramm PIJ im Mund, und das ist noch längst nicht das letzte Rätsel, dem sich Poirot gegenübersieht. Begleitet wird er von seinem Freund von Scotland Yard, Edward Catchpool, einem nicht besonders hellen Burschen und deshalb prädestinierten Sidekick.

Wie Catchpool selbst gerät der Leser aber immer mehr in gründliche Verwirrung, während Poirot fortlaufend erklärt, er habe schon Lunte gerochen und man würde schon bald verstehen, was er selbst längst durchschaut habe. Der Fall ist nicht nur kompliziert, sondern wird immer unübersichtlicher. Hannah scheint es zusätzliche Freude zu bereiten, ihren Helden selbstbeweihräuchernd über die Strenge schlagen zu lassen. Er ist auch bei Christie immer ein eitler Geck gewesen, aber Hannah versucht offenbar zu zeigen, wie gut sie Christies Poirot imitieren kann. Das nervt und trägt nicht zum Lesegenuss bei.

Stattdessen hätte dem Roman etwas mehr Spannung gut getan. Aber leider zieht die Geschichte dahin wie ein vergessener Teebeutel im lauwarmen Wasser. Es mag Leser geben, die dem Plot aus Eifersüchteleien auf dem Land und einer späten Rache dennoch etwas abgewinnen können. Die Mimi, die ohne Krimi nie ins Bett geht, hat „Die Monogramm-Morde“ aber gewiss nicht unterm Arm.

Sophie Hannah: Die Monogramm-Morde – Ein neuer Fall für Hercule Poirot, Atlantik Verlag, Hamburg, 2014, 338 Seiten, gebunden, 19,99 Euro, ISBN 978-3455600162, Leseprobe

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