Truman Capote trifft…

Mit der Monroe ging er zur Beerdigung, Liz Taylor lud ihn zum Champagnerschlürfen und Marlon Brandos Schwärmereien über Apple Pie und die Schauspielerei lauschte er in dessen Hotelzimmer in Kioto – Truman Capotes Porträts sind tiefe Einblicke in die Welt früherer Stars und Sternchen, taktlos, direkt und zu Recht legendär. Niemand sonst hätte es gewagt zu offenbaren, dass Marilyn Monroe die englische Königin als „Fotze“ bezeichnete.

Die Porträts, die der Verlag Kein & Aber im Jahr 2009 zum 25. Todestag des amerikanischen Schriftstellers herausgegeben hat, sind alle schon einmal in anderen Werken erschienen, jedoch niemals zusammen. Sie zeigen jene Wahrheiten, die Capote über seine Freunde aus der High Society schrieb und die ihm später die Einsamkeit brachten – denn viele Enthüllungen wurden ihm nicht verziehen. Capote war stets ein feiner Beobachter. Er sezierte die Eigenschaften und Schrulligkeiten der Schriftsteller, Schauspieler und Reichen der Gesellschaft und gehörte doch selbst dazu.

Das schmale, gebundene Büchlein versammelt elf Poträts von einstigen Stars wie Coco Chanel, Louis Armstrong oder Humphrey Bogart. Die meisten von ihnen umfassen nur wenige Seiten, Marilyn Monroe und Marlon Brando aber spielen die beiden Hauptrollen in dieser Sammlung. Von außen betrachtenswert, von innen lesenswert, von der Größe perfekt für die Westentasche des Herrn oder die kleine Handtasche der Dame.

Würden doch heutzutage weniger Gefälligkeitsporträts geschrieben und häufiger solche capote’schen Betrachtungen – es wäre eine Wohltat. Adam Soboczynski, Redakteur im Feuilleton-Ressort der Wochenzeitung „Die Zeit“, bringt es im „Zeit“-Magazin (14.04.2011, Nr. 16) auf den Punkt: „Es gilt bei Porträts die traurige Regel: Je ausgewogener das Porträt, desto unspektakulärer ist es. Allergrößte, himmlische, unerreichte Porträtistenkunst wäre es, mit dieser Regel zu brechen.“ Capote hat das getan. Er wurde dafür bestraft, aber er hat es getan. Die Zeugnisse davon sind nachzulesen.

Truman Capote: Marilyn & Co., Kein & Aber Verlag, Zürich, 2009, 175 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen, 14,90 Euro, ISBN 978-3036955483

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