American Wuff of Love

Er war der treue Begleiter des 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er war Bill Clintons „Buddy“ und zufällig im Nebenraum des Oval Office, als sich Mr. President und Monica Lewinsky näher kamen. Buddy war Clintons Labradorrüde, der 2002 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. In Luis Rafael Sánchez‘ Satire „First Dog – Enthüllungen eines Präsidentenhundes“ spielt er eine letzte große Hauptrolle, die ihm Unrecht tut.

Sánchez lässt den Präsidentenhund vom Geheimdienst kidnappen und in Harvard von Wissenschaftlern verkabeln, vermenschlichen und an einen Sprachcomputer anschließen. Dann soll er Zeugnis ablegen von dem amourösen Abenteuer seines Herrchens. Doch Buddy nutzt die Chance der ungeteilten Aufmerksamkeit zunächst, um über das Hundsein im Allgemeinen und im Speziellen zu philosophieren. Nach der Mittagspause sind die Begebenheiten, die zu Buddys Ergreifung geführt haben, Gegenstand seiner Erzählungen, und erst im dritten Teil des Buches, ab Seite 75, wird der bis dahin auf Spar-Spannung gehaltene Leser mit der Fleischeslust des Präsidenten konfrontiert.

Was aber nun den besonderen Reiz dieser Satire ausmacht, das erschließt sich nicht. Die Kritik an der amerikanischen Gesellschaft, die sich monatelang über den lüsternen Präsidenten das Maul zerriss, ist zwar bissig und mit spitzer Hundezunge geäußert, aber aus dem Sujet hätte der puertoricanische Autor weitaus mehr machen können. In die Breite getreten wird der Text schließlich noch dadurch, dass auch der Autor erklären will, wie er überhaupt an die mysteriösen Enthüllungen des Präsidentenhundes gelangt ist. Am Ende bleibt der Eindruck eines durch menschliche Maschinen aufgeplusterten, arroganten und großkotzigen Hundes, der schon auf den ersten Buchseiten jegliche Sympathie beim Leser verspielt.

Die Vermenschlichung eines Tieres ist ein altbekanntes literarisches Thema. In „Ein Bericht für eine Akademie“ verwandelte Franz Kafka einen Affen in einem Menschen, und in „Lebensansichten des Katers Murr“ ließ E.T.A. Hoffmann den wie ein Mensch sprechenden Kater aus seinem Leben erzählen. Sánchez aber scheitert mit seinem „First Dog“. Im Grunde gut gedacht, teilweise auch wirklich interessante Wendungen und Bonmots eingebaut, aber am Ende reicht es nicht, um einen ständigen Platz im Bücherregal zu ergattern.

Luis Rafael Sánchez: First Dog – Enthüllungen eines Präsidentenhundes, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2011, 137 Seiten, gebunden, 15,90 Euro, ISBN 978-3803112750

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