Barcelona – du Schöne!

Ein Tag in BarcelonaWer zum Urlaub nach Spanien fährt, findet im Buchhandel reichlich Reiseführer. Auch wer Barcelona besuchen will, und sei es nur für einen kurzen Städtetrip am Wochenende, kann sich mit mehr oder weniger ausführlichen Empfehlungen eindecken. Im Handgepäck sollte aber auf jeden Fall auch Daniel Brühls Buch „Ein Tag in Barcelona“ stecken.

Der Schauspieler Daniel Brühl (bekannt aus „Good Bye, Lenin!“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und auch Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“) hat eine zauberhafte Liebeserklärung an seine Heimatstadt Barcelona geschrieben. Herausgekommen ist kein literarischer Leckerbissen, aber eine freche, erfrischend nonchalante Beschreibung der katalanischen Hauptstadt.

Die Person Daniel Brühl als Prominenz der deutschen Schauspielerei tritt dabei ganz in den Hintergrund. Trotzdem ist es ein sehr persönliches Buch geworden. Daniel Brühl, 1978 als Daniel César Martín Brühl González Domingo in Barcelona geboren, wandert, spaziert, ja, flaniert einen Tag lang durch die Stadt, vom Tibidabo, Barcelonas Hausberg, durch sein Lieblingsviertel Gràcia bis ans Meer.

Das Daumenkino ist eine Besonderheit des Buches

Dabei erzählt er von seinem spanischen Großvater, der Journalist und Stierkampfkritiker war, und von seinem Onkel Juan, der ihn 1986 zum ersten Mal zu einem Spiel des FC Barcelona mitnahm. Die Seiten sind mit persönlichen Fotos gespickt, wobei das Daumenkino in der rechten unteren Buchecke eine Besonderheit des Buches ist, die es zu entdecken gilt.

Von der Dachterrasse seines guten Freundes Manel nämlich hat man einen 360-Grad-Blick auf die Stadt. „Alles liegt da, zum Greifen nah, der Montjuïc, das Meer, die Sagrada Familia.“ Weil man aber wohl niemals die Chance haben wird, mit Daniel Brühl zu einer der sagenumwobenen Paellas von Manel auf dessen Dachterrasse eingeladen zu werden, bleibt nur das Daumenkino, das den eindrucksvollen Ausblick im Kleinformat ermöglicht.

Der Leser begleitet Daniel Brühl durch versteckte Ecken und Straßen und trifft mit ihm Boule-Spieler im Parc del Putget. „Auch hier hat man einen herrlichen Rundblick über die Stadt, der aber den meisten Touristen verborgen bleibt, weil Sant Gervasi auf den normalen Routen nicht dabei ist.“ Den passionierten Boule-Spieler Francisco lässt Brühl aus der Franco-Zeit erzählen, er selbst beichtet lieber einen „schissigen Fußsprung mit angstverzerrter Fratze“ vom Zehnmeterbrett des beachtlichen Schwimmbads der Olympischen Spiele von 1992. Wobei ihm das Lippenbändchen riss.

Brühls Lieblings-Gin-Bar

Und ob man von kleinen Lokalen mit großen Wermut-Fässern oder von grell beleuchteten Tapas-Bars mit rotnasigen Katalanen an der Theke oder über Brühls Lieblings-Gin-Bar liest – man möchte immer wieder nach Barcelona fahren, um noch dieses oder jenes zu entdecken. Oder um es mit Brühl zu sagen:

„Ich werde dich immer lieben, Barcelona, scheißegal, was die anderen sagen. Die Madrilenen, die sich über deine Provinzialität lustig machen und sagen, dass du nachts ein eingeschlafener Fuß bist, die Pariser und Mailänder, die die Nase rümpfen, weil du angeblich nicht schick genug bist, die immer coolen Londoner und Berliner, die sagen, dass du passé bist, nicht mehr en vogue, dass es sich ausdesigned hat, dass deine Attraktivität nur noch von den Neunzigern zehrt, als du noch in schrillen Farben geleuchtet hast, die jetzt angeblich verblasst sind… Lass die Idioten doch reden!“

Lass sie doch reden, die Idioten. Allen anderen sei Daniel Brühls Liebeserklärung in Buchform wärmstens ans Herz gelegt. Danach kann nur noch erhöhtes Reisefieber folgen.

Daniel Brühl: Ein Tag in Barcelona, Ullstein Buchverlag, Berlin, 2012, 192 Seiten, broschiert, 18 Euro, ISBN 978-3550088322, YouTube-Video zum Buch

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