Die Samurai sind von der Rolle oder: You spin me round

Seit einiger Zeit revolutioniert ein kleiner Verlag aus Berlin den Buchmarkt. „Round not Square“ bringt seine Werke als Schriftrollen heraus und erlaubt damit einen Zugang, wie ihn Leser lange Zeit nicht mehr erlebt haben. „Round not Square“ hat bereits einige Kunst- und Fotobücher veröffentlicht, aber auch das zauberhafte Kinderbuch „Wilma und Wolf“. Jetzt beweist der Verlag mit Paul Rietzls „Shipwreck“, dass auch Graphic Novels ins rollende gigantisch-extreme Querformat gehören.

„Der Weltraum – unendliche Weiten.“ So beginnt die deutsche Version von „Raumschiff Enterprise – The next Generation“. So könnte aber auch „Shipwreck“ beginnen, denn durch das Schriftrollenformat haben die Augen schier unendlich weiten Raum, die erzählte Geschichte zu erfassen. Man kann sie nur wenige Zentimeter ausbreiten oder endlich mal wieder den Tapeziertisch aus dem Keller nutzen. Vornehmlich funktioniert das so fantastisch, weil der Augsburger Zeichner Paul Rietzl sich diesen Raum kunstvoll genommen hat. Weil das Rollenformat ihn nicht einengt und zu Panels drängt, die die Schmalheit eines Buches sonst vorgibt. Dieser Schriftrollenraum kennt keine Grenzen. Er ist die Buch gewordene Weiterentwicklung der Idee einer „unendlichen Leinwand“, die ursprünglich von dem Comic-Künstler und -Theoretiker Scott McCloud stammt. Der US-Amerikaner hatte sich zur Jahrtausendwende die Frage gestellt, ob Comics nicht auch wie Webseiten durch Scrollen zu lesen seien. Nach dem Lesen von „Shipwreck“ aber werden Sie denken: Rollen statt Scrollen!

„Shipwreck“ spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschen nach dem Untergang einer einst reichen Zivilisation nur noch zwischen Weltraumschrott dahinvegetieren. Die einen sind die Sammler und Unterdrückten, die anderen die Herrscher und Unterdrücker. Ein Samurai-Clanwesen gaukelt eine gewisse Struktur vor, aber letztendlich geht es immer nur um die Macht des Herrschens. Wer sich dagegen auflehnt, muss mit dem Tode rechnen, und so ergeht es auch der Fürstin des Helden und Erzählers Oishi. Ein Erweckungserlebnis für den bisherigen Mitläufer, denn fortan hinterfragt er die interstellare Grundordnung. Und es beginnt der letzte Kampf um die Zukunft der Galaxie.

Macht, Ehre und die eigene Integrität

Es mag sein, dass die Geschichte des 1986 geborenen Rietzl auch deshalb so gut funktioniert, weil sie im Rollenformat erzählt wird und wie im Film vor unseren Augen abläuft. Hat man die 15 Meter lange und 20 Zentimeter breite Schriftrolle wieder in ihren Ursprungszustand zurückgerollt – was bleibt dann von „Shipwreck“? Vor allem die philosophischen Fragen über Macht und Machtmissbrauch, über Ehre und die eigene Integrität. Übersetzt heißt „Shipwreck“ Schiffbruch, aber „to shipwreck“ bedeutet auch, etwas zum Scheitern zu bringen. Mit Oishi müssen wir uns fragen lassen, ob wir lieber passiv bleiben und Schiffbruch erleiden oder aktiv werden und etwas Unrechtes zum Scheitern bringen wollen. Eine Frage, die ewig jung ist und doch so alt wie das Universum.

Mit „Shipwreck“ zeigt „Round not Square“ einmal mehr, wie das Geschichtenerzählen immer wieder neu erfunden werden kann, wie es spannend und aufregend bleibt. Und dass die Schriftrolle es wert ist, in die Jetztzeit geholt zu werden. Eine Wohltat für all jene, die Bücher lieben, sie gerne anfassen und sich mit ihnen beschäftigen!

Paul Rietzl: „Shipwreck“, Round not Square, Berlin, 2016, 15 Meter lang, 20 Zentimeter hoch, handgebunden in Buchleinen mit Magneten, 28 Euro, bestellbar über den Onlineshop des Verlags, Unboxing-Video

Philosophie in wüsten Zeiten

imageIn seiner spanischen Heimat erschien das Buch „Odem“ des katalanischen Comic-Künstlers Max bereits 2012. Deutsche Comic-Fans mussten sich gedulden, bevor das Werk jetzt auch im Avant-Verlag aus Berlin erhältlich ist. Es erzählt hervorragend gezeichnet und mit zahlreichen philosophischen Bezügen von Nick, der in die Einsamkeit der Wüste flüchtet. Ein Buch, das man aufmerksam lesen sollte.

Nikodemus hat die Nase voll (und er hat eine ziemlich lange Nase!). Der Lärm und die Oberflächlichkeit der Welt nerven ihn vollends. Nur die Wüste erscheint ihm noch als einziger Rückzugsort, um den Sinn, den „endgültigen, unanfechtbaren Sinn, falls es den gibt“, zu finden. „Ich habe es satt, und zwar alles! Die Welt und die Menschen, die Dinge und die Ideen, die Wörter und die Bilder!“ Spricht’s und kippt rücklings in die Wüste.

Doch dass die Wüste lebt, wusste schon der Dokumentarfilmer James Algar. Und so verwundert es nicht, dass Nikodemus zunächst auf einen ziemlich grundentspannten Kater namens Moses trifft, der die Dinge gerne vereinfacht, zu allererst die Namen. So wird aus Moses Mosh und aus Nikodemus Nick – der übrigens in des Katers Augen einen ziemlichen Sonnenstich hat. Neben der wahrlich coolen Socke Mosh trifft Nick auch noch die kleptomanische Elster Juanita, einen traumdeutenden Schiffbrüchigen sowie seinen eigenen Schatten.

Die Geschichte einer Entsagung

Allerlei Ablenkungen versuchen ihn, vom rechten Weg abzubringen, und seine letzte Prüfung kommt mit der betörenden Allmacht der unnahbaren Königin von Saba. „Odem“ ist auch die Geschichte einer Entsagung, um dadurch der absoluten Wahrheit begegnen zu können. Wer Nick nicht in sein Herz schließt, hat wohl noch nie eine Sinnkrise erlebt.

Nicks Suche nach seinem spirituellen Gleichgewicht wird in wunderbar stilisierten Schwarz-Weiß-Zeichnungen erzählt und passt damit hervorragend in die klare Farblosigkeit der Wüste. Gerne wird seine klare Linie mit der des US-Comic-Erneuerers Chris Ware verglichen.

Max selbst erklärt zu Beginn des vorliegenden Buches, es sei partiell inspiriert von „The Wiggle Much“, der „einzigartigen, legendären Comicarbeit von Herbert E. Crowley“. Der frühe, sehr surreale Comic erschien zwischen März und Juni 1910 auf dreizehn halbseitigen Seiten in der New York Herald Tribune. Als Hommage lässt Max die von Crowley erfundene Figur in einem seiner Panels auftauchen.

Einer der bekanntesten spanischen Comic-Künstler

Max, mit bürgerlichem Namen Francesc Capdevila, wurde 1956 in Barcelona geboren und gilt heute als einer der bekanntesten spanischen Comic-Künstler und ist vielfach preisgekrönt. „Odem“ wurde 2013 beim internationalen Comicsalon in Barcelona als bestes nationales Werk nominiert. Auf Deutsch erschienen bereits „Der geheime Kuss“ und „Der Werwolf Punk“ beim Alpha Comic Verlag, sowie „Der lange Traum des Herrn T.“ und „Bardín der Superrealist“ bei Reprodukt.

Lesen Sie „Odem“ und erkennen Sie, dass man selbst in der Wüste nicht von Ablenkungen verschont bleibt. Sind Sie gar selbst in einer Sinnkrise, so ist „Odem“ eines dieser Bücher, die für surrealistisch-philosophisch veranlagte Menschen eine durchaus hilfreiche Lektüre sein können.

Max: Odem, Avant-Verlag, Berlin, 2016, 111 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, ISBN 978-3945034491, Leseprobe

Seitengang dankt dem Avant-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Schrulliges Lustspiel am Strand

9783956400742-frontcoverDer Sommer bedeutet für viele Familien: Nichts wie raus ans Meer! Dass der Strand dadurch jedes Jahr zur Spielwiese der Eitelkeiten wird, aber auch zum Theater der Nacktheit, zum Schauplatz von Konflikten und zur Bühne eines Sozialkosmos sondergleichen, ist nie treffender und vergnüglicher beschrieben worden als in der Graphic Novel „Rein in die Fluten!“ vom französischen Comic-Duo David Prudhomme und Pascal Rabaté. Die perfekte Lektüre für den sich noch einmal aufbäumenden Sommer.

Schon auf dem Weg in den fiktiven Badeort Polovos Plage begegnen sich die ersten Charaktere dieses Lustspiels: Die Familienväter, die argwöhnisch die Autos der anderen Tankstellenbesucher beäugen („Wieviel pumpt der denn in seine Karre?“, „Was braucht der auch ’nen Allrad, um ans Meer zu fahren?“) und auf dem Rücksitz die eigene Brut sitzen haben, die sich entweder missmutig einen MP3-Player teilen muss oder damit beschäftigt, alle Varianten von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ zu singen, zur Freude ihrer Eltern („Singt uns doch mal was Schönes, ihr Racker!“). Die zugreisenden Bierbäuchigen mit ihren überheblichen Sprüchen und die jovialen Jungväter mit ihren frenetischen Ausrufen, die jedes Abteil zur Weißglut treiben. Die Stausteher, die bereits am Vortag Angelangten und die Yuppies von Welt. Doch dieses Menschen-Potpourri ist noch steigerungsfähig, denn erst am Strand entrollt sich das wahre Panorama.

Und mal ehrlich: Wir kennen sie alle, diese wunderlichen Typen, denen man an so einem Tag am Meer unweigerlich begegnet. Wir kennen sie alle, und auch deshalb ist dieser Comic so amüsant. Diese Geschichte braucht keine Hauptfigur, denn die Protagonisten sind wir selbst, die wir uns an den Meeren dieser Welt zum Zeitvertreib, zum Sonnenbad oder auch – das würde natürlich keiner zugeben – aus voyeuristischen Motiven tummeln.

Cineastische Struktur

Prudhomme und Rabaté haben den ganzen Wahnsinn erzählerisch fantastisch eingefangen: Oft mutet die Struktur cineastisch an, wenn etwa eine Szene zunächst das vor der Bahnschranke stehende Auto zeigt, die nächste Szene einen Perspektivwechsel vornimmt und der Leser plötzlich im vorbeirauschenden Zug sitzt, dort einige Augenblicke verweilt, bis ein Auto vorübersaust und den Leser dorthin katapultiert. Es ist, als säße man in einem chinesischen Restaurant an einem dieser drehbaren Tische, und jeder der Gäste dürfte mal drehen, um sich die Szene aus einem anderen Blickwinkel anzusehen. Es wird gezoomt und geschwenkt.

Das führt auch grafisch zu feinen Überraschungen, wenn sich Illusionen auflösen: eine der schönsten ist sicherlich jene, als sich ein Herr mit gelbem Sonnenhut, sonnenbrandroten Armen und dickem weißen Bauch dem FKK-Strand nähert und man wähnt, er komme über eine Düne. Doch tritt der Betrachter ein Stück zurück, entpuppt sich die Düne als nackter Frauenkörper. Wenige Seiten später suchen Eltern ihren Jungen. Die Mutter entdeckt ihn am Horizont in einem steinernen Wellenbrecher, der Leser aber ist ähnlich blind wie der Vater. Erst als die Szenerie weiter heranrückt, kann man ihn mit Mühe und Not zwischen den Steinen klettern sehen. Die Mutter: „Wir müssen ihm echt so ’ne Neonhose besorgen.“

„Die Ferien des Monsieur Hulot“

Der cineastische Gedanke kommt nicht von ungefähr, auch wenn Autor und Zeichner damit weniger die Kamerafahrten verbinden, denn tatsächlich hat ein alter Kultfilm die beiden zu ihrem Comic inspiriert: „Die Ferien des Monsieur Hulot“ von und mit Komiker und Regisseur Jacques Tati. Der hatte schon 1953 seine Landsleute am Meer ordentlich persifliert. Gegenüber Kai Löffler vom Deutschlandfunk sagte Rabaté: „Wir bewundern beide sehr die Arbeit von Jaques Tati; sie ist gleichzeitig poetisch und burlesk komisch. Ich würde sogar sagen, Tati ist einer unserer Haupteinflüsse.“

Und so wie Tati in die Rolle des Monsieur Hulot schlüpft, haben auch Prudhomme und Rabaté ihren Platz in Polovos Plage gefunden. Entdecken Sie die beiden am Strand oder im Dorf oder irgendwo im Meer! Und auf dem Weg dorthin und beim Lesen ihres Comics können Sie förmlich den heißen Sand unter den Füßen spüren, und die See rauschen und die Kinder juchzen und manche Paare streiten hören. Sie werden die Augen verdrehen, Sie werden lachen und den Kopf schütteln ob der grotesken Figuren, und sich darin vielleicht ein wenig selbst erkennen. Unbedingt aber werden Sie eines des besten Sommerbücher dieses Jahres lesen – und damit einen Schatz heben, von dem Sie noch in grauen Herbsttagen zehren können.

David Prudhomme, Pascal Rabaté: Rein in die Fluten!, Reprodukt Verlag, Berlin, 2016, 120 Seiten, gebunden, 24 Euro, ISBN 978-3956400742, Leseprobe

Seitengang dankt dem Reprodukt-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Diese Rezension ist auch auf NW.de erschienen, dem Onlinedienst der Neuen Westfälischen (Bielefeld).

Goethe und der Schweizer Wilhelm Busch

IMG_2044-1Comics sind nur etwas für junge Leute? Von wegen! Johann Wolfgang von Goethe war 82 Jahre alt, als er jene Bildergeschichte las und lobte, die manche Wissenschaftler heute als den ersten Comic bezeichnen. Jetzt sind drei von Rodolphe Töpffers Geschichten unter dem Titel „Die Liebesabenteuer des Monsieur Vieux Bois und andere Geschichten“ in einer bibliophilen Ausgabe im Berliner Avant-Verlag erschienen. Der Herr Geheimrat hätte seine wahre Freude gehabt!

Schon die titelgebende Geschichte hat fulminanten Witz! Der arme Tropf Monsieur Vieux Bois ist schwer verliebt, wird aber von seiner Auserwählten (die nur als „das geliebte Ding“ („l’objet aimé“) bezeichnet wird) nicht erhört. Also will er aus dem Leben treten und ersticht sich. Hält sich 48 Stunden lang für tot und „kommt äußerst abgemagert wieder zu Bewusstsein“. Er erhängt sich, und schafft auch das nicht. Nicht nur das geliebte Ding nimmt keine Notiz von ihm, nein, auch der Tod scheint kein Interesse zu zeigen, wie immer er es auch anzustellen versucht. Allzu gern folgt der Leser den wahnwitzigen Erlebnissen des Monsieur Vieux Bois, die rasant und wahrlich komisch erzählt sind. Wie übrigens auch die zweite und dritte Geschichte der Sammlung, die deutlich machen, aus welchem bildgestalterischen Schatz Töpffer schon schöpfen konnte.

Manch ein Rezensent stellt inzwischen die Frage, ob es möglicherweise ohne Johann Wolfgang von Goethe heutzutage keine Comics gegeben hätte. Thomas von Steinaecker spricht in der Süddeutschen Zeitung von Goethe gar als „Hebamme bei der Geburt der neunten Kunst“. Ja, es ist verbrieft, dass der Herr Geheimrat geradezu entzückt war, als er im Alter von 82 Jahren den Bildergeschichten des Genfer Zeichners gewahr wurde: „Töpffer ist Original durch und durch. (…) Es funkelt alles von Talent und Geist! Einige Blätter sind ganz unübertrefflich!“ So jubilierte Goethe und ermutigte Töpffer, seine Geschichten unbedingt in Buchform zu veröffentlichen.

Chronisches Augenleiden macht Pläne zunichte

Der 1799 in Genf geborene Töpffer war ein regelrechtes Multitalent. Von seinem Vater, einem anerkannten Landschaftsmaler, ist Rodolphe Töpffer früh zum Künstler ausgebildet worden – ein Traum für viele angehende Künstler, bei den Eltern so selbstverständlich auf Verständnis für die Berufswahl zu treffen. Doch es sollte anders kommen: Ein chronisches Augenleiden macht Pläne zunichte, es gilt, andere Professionen zu finden. Nach einem Griechisch- und Lateinstudium beginnt er, als Lehrer zu arbeiten. Seine Schüler sind es schließlich, die sich für seine zunächst noch außerhalb des Lichts der Öffentlichkeit entworfenen Skizzen so sehr begeistern, dass er mehrere Skizzenbücher füllt. Über einen alten Schulfreund gelangen die Skizzen bald nach Weimar – zu Goethe.

Den Rest der Geschichte schlagen Sie besser im lesenswerten Vorwort von Herausgeber Simon Schwartz nach. Dort lesen Sie auch, wie die Bildgeschichten entstanden und zu Lebzeiten Töpffers in der Öffentlichkeit aufgenommen worden sind, mitsamt den Schattenseiten von Raubkopien und bislang fehlendem Urheberrecht. Und dann stürzen Sie sich in die titelgebenden „Liebesabenteuer des Monsieur Vieux Bois“! Was sofort auffällt: Die für Comics oft wesentlichen Sprechblasen fehlen bei Töpffers Bildergeschichten. Stattdessen sind die einzelnen Panels untertitelt, sowohl mit dem handgeschriebenen französischen Original, als auch mit der deutschen Übersetzung. Was jedoch ebenso ins Auge fällt, ist die Erzählweise: Bild folgt auf Bild, und die schnelle Abfolge sorgt für einen erzählerischen Fluss. Töpffers Strich ist sowohl skizzenhaft, als auch schwungvoll, oft jedoch überzeichnet, als fertige er Karikaturen seiner Figuren an.

Seine Bildgeschichten sind oft sehr amüsant, bisweilen aber auch ganz schön zotig und derb. Dagegen vermisst man manchenorts Tiefgründigkeit, wie sie etwa einem Wilhelm Busch gelungen ist. Möglicherweise ist Töpffer deshalb nach und nach in Vergessenheit geraten, auch weil er zunehmend in Buschs Schatten geriet. Es lohnt sich dennoch, ihn jetzt neu zu entdecken. Und die schmucke Ausgabe im Avant-Verlag erleichtert den Zugang, wenngleich auch diese Zusammenstellung aufgrund ihres ausladenden Querformats eher nicht als Buch für unterwegs geeignet ist – wie schon Héctor G. Oesterhelds „Eternauta“.

Wichtigste Ehrung für grafische Literatur

Dass sich der Avant-Verlag in letzter Zeit dadurch auszeichnet, dass er neben zeitgenössischen Comics und Graphic Novels auch Klassiker der Comic-Geschichte wiederveröffentlicht, und zwar jedes Mal in durchaus beachtlich liebevoller Ausstattung, ist auch der Jury des Max-und-Moritz-Preises aufgefallen. Der Preis, der alle zwei Jahre beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen verliehen wird, gilt als die wichtigste Ehrung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum.

In diesem Jahr ist der Avant-Verlag, auch stellvertretend für die Bemühungen kleinerer Verlage, für seine Dienste um die Pflege des kulturellen Erbes mit dem Spezialpreis ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte dabei besonders die Ausgaben von „Eternauta“, dem bekanntesten argentinische Comic der 50er Jahre, geschrieben von Héctor Germán Oesterheld, Hans Hillmanns Adaption von Dashiell Hammetts Roman „Fliegenpapier“ (Trailer) und, ja!, die soeben erschienene Edition „Die Liebesabenteuer des Monsieur Vieux Bois und andere Geschichten“ von Rodolphe Töpffer.

Wer sich darüber hinaus mit Töpffer und seinem Werk beschäftigen möchte, sollte noch bis zum 28. August 2016 im Wilhelm-Busch-Geburtshaus in Wiedensahl (Schaumburger Land/Niedersachsen) die Ausstellung „Literatur in Bildern – Die Bild-Geschichten des Rodolphe Töpffer“ besuchen. Zusammen mit der neu verlegten Töpffer-Sammlung im Avant-Verlag bietet sich so ein umfassender Einblick in die Anfänge der Comic-Historie. Schon deshalb unbedingt empfehlenswert, aber auch, weil es nach fast 200 Jahren immer noch nicht an Lesbarkeit und Vergnüglichkeit verloren hat. Das muss einem Autor erst mal gelingen.

Rodolphe Töpffer: Die Liebesabenteuer des Monsieur Vieux Bois und andere Geschichten, Avant-Verlag, Berlin, 2016, 280 Seiten, gebunden, mit Leinenrücken, 39,95 Euro, ISBN 978-3945034286, Leseprobe

Seitengang dankt dem Avant-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Gratis-Comic-Tag 2016: Die Gewinnerin des Komplettpakets ist ausgelost

GCT2016_Poster_A4_mit_CoverZum Gratis-Comic-Tag am 14. Mai 2016 hat Seitengang ein GTC-Komplettpaket verlost – also alle 34 Hefte! Bis Freitag, 13. Mai, 11.59 Uhr waren die Seitengang-Leser aufgerufen, den Gewinnspiel-Artikel zu kommentieren und zu schreiben, warum sie so gerne Comics bzw. Graphic Novels lesen und vielleicht auch, welcher ihr liebster ist und warum. Jetzt ist die Gewinnerin ausgelost und bereits benachrichtigt worden.

Gewonnen hat Julia G. aus Bielefeld. In ihrem Kommentar schreibt sie, dass sie noch relativ Comic/Graphic Novels-unerfahren sei. „Klar, in meiner Kindheit habe ich die Klassiker wie Die Schlümpfe, Donald Duck und Lucky Luke verschlungen. Von meinem Vater bekam ich alle Asterix-Bände geschenkt.“ Jetzt aber habe sie die Graphic Novels für sie entdeckt, wobei sie besonders begeistert war von Barbara Yelins „Irmina“.

Seitengang bedankt sich herzlich bei den Teilnehmern des Gewinnspiels für die ausführlichen Kommentare und wünscht am Samstag einen feinen Gratis-Comic-Tag! Alle Informationen dazu, welche Läden in Ostwestfalen-Lippe mitmachen und was der Gratis-Comic-Tag überhaupt ist, gibt es nach wie vor hier!