Buch Wien: Svenja Flaßpöhler spricht über den „richtigen Umgang mit Rechts“

Svenja Flaßpöhler bei der Eröffnung der "Buch Wien 2018". © LCM Foto Richard Schuster
Svenja Flaßpöhler bei der Eröffnung der „Buch Wien 2018“. © LCM Foto Richard Schuster

Die deutsche Philosophin Svenja Flaßpöhler hat am Mittwochabend mit einem diskussionsanregenden Vortrag über den „richtigen Umgang mit Rechts“ die elfte internationale Buchmesse „Buch Wien“ eröffnet. Unter dem Titel „Ignorieren, bekämpfen, verstehen?“ stellte sie verschiedene Strategien vor, sei es zum einen die von Jürgen Habermas vorgeschlagene der Ausgrenzung und Ignorierung, zum anderen aber auch die des Verstehens, wie Hannah Arendt es im Fall von Adolf Eichmann versucht habe. Verstehen hieße ja nicht direkt nachvollziehen, Recht geben oder entschuldigen.

Ihr sei auf der anderen Seite aber auch bewusst, dass eine solche Offenheit des Diskurses Risiken berge. „Große Risiken sogar. Die Gefahr, dass die neue Rechte jeden Meter Geländegewinn zur Installierung eines neuen Faschismus nutzt, muss deutlich betont und gesehen werden. Aber, so wäre zu fragen: Ist eine Demokratie, die sich selbst gegen allfällige Gefahren immunisiert, noch eine Demokratie?“

Flaßpöhler, die auch in der #MeToo-Debatte ein streitbarer Geist ist, schlägt einer demokratischen Gesellschaft deshalb vor, „Räume für Streit“ zu eröffnen, „anstatt sie zu schließen“.  Dennoch müsse man stets „sehr genau unterscheiden zwischen jenen, die dialogbereit sind. Und denen, die es nicht sind.“ Eine Dethematisierung, wie Habermas es will, sei in Deutschland schon gar nicht mehr möglich, da etwa die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) inzwischen in allen Landesparlamenten sitzt.

Eines machte Flaßpöhler, die in Münster geborene Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“, in ihrem Vortrag ebenfalls deutlich: „Den Faschismus muss man bekämpfen, und zwar in aller Entschiedenheit. Denn ein Faschist hat kein Interesse am Diskurs, sondern nur an Macht und Zerstörung.“ (Lesen Sie hier die vollständige Rede von Svenja Flaßpöhler.)

Vor diesen ernsten Worten, die vom geladenen Publikum mit anhaltendem Applaus quittiert wurden,  hatte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) für Belustigung gesorgt, als sie die „Buch Wien“ als „wunderbares Bordell des Geistes“ bezeichnete. Sie wünsche sich, dass es „richtig brummen“ möge auf der Messe, die Bücher ihre Verführungskünste zeigen und die Leserinnen und Leser der „sinnlichen Begegnung mit Papier“ erliegen.

Traditionell schließt sich an die feierliche Eröffnung der Buchmesse die beliebte „Lange Nacht der Bücher“ an, die auch in diesem Jahr hochkarätig und facettenreich besetzt war: Nach dem Eröffnungskonzert der österreichischen Singer-Songwriterin Clara Luzia stellten im Gespräch mit Kabarettist Florian Scheuba unter anderem Bernhard Aichner, Hanna Herbst und David Schalko ihre neuen Bücher vor, während auf der Kochbühne gekocht und beim Poetry Slam vor allem das junge Publikum im Scharen begeistert wurde.

Noch bis Sonntagabend präsentieren mehr als 370 Aussteller aus 20 Nationen auf der „Buch Wien“ die Neuerscheinungen dieses Herbstes. „Seitengang – ein Literatur-Blog“ ist noch bis einschließlich Samstagabend vor Ort und berichtet von der Buchmesse.

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